TU-Rektor Kainz: "Es braucht noch mehr Pedalritter"
Die Grazer Technische Universität gilt in Sachen Förderung der sanften Mobilität und des Radfahrens als vorbildlich. Harald Kainz ist seit Oktober 2011 Rektor der TU Graz und macht auch bei "Steiermark radelt zur Arbeit" mit, was Radlobby ARGUS Steiermark zum Anlass für ein Interview nahm.
Herr Rektor Kainz, sind Sie selbst auch Radfahrer und nutzen Sie das Fahrrad auch für den Weg in die Arbeit?
Ich fahre so oft wie möglich mit dem Fahrrad, und zwar nicht nur in die Arbeit, sondern auch zu Terminen in Graz. Ich kann es mir ohne mein TU-Fahrrad gar nicht mehr vorstellen.
Haben Sie von der Aktion "Steiermark radelt zur Arbeit" gehört bzw. nehmen Sie daran teil?
Ich finde die Aktion großartig und bin selbstverständlich jedes Jahr dabei.
Was sind in Ihren Augen und Ihrer Erfahrung nach die Vorteile, wenn man das Fahrrad für die Wege zum und vom Arbeitsplatz verwendet?
"Frischluft" in den Arbeitsalltag
Dazu fallen mir sofort zwei starke Argumente ein: Zeitersparnis und Bewegung. Besonders in der Stadt ist es bemerkenswert, wie schnell man radelnd vorankommt. Außerdem ist das Fahrradfahren eine wunderbare Gelegenheit, ein bisschen Bewegung und „Frischluft" in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Seitens der TU gibt es ja schon seit fünf Jahren und länger Bemühungen, den Radverkehrsanteil unter den Bediensteten zu erhöhen, Stichwörter Parkplatzmanagement und Zuschüsse für TU-Bikes, Errichtung von guten Abstellanlagen und Servicestationen. Wie kommt das an und ist an weitere
Schritte gedacht?
Die Maßnahmen für eine gesündere und umweltfreundliche Mobilität an der TU Graz finden großen Anklang. Unser Mobilitätskonzept hat in den vergangenen sechs Jahren viel Positives gebracht, zum Beispiel über 700 zusätzliche überdachte Fahrradabstellplätze, über 600 Parkberechtigungen
weniger und damit 300 Tonnen CO2-Einsparungen pro Jahr. Die Fahrrad-Checks für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind regelmäßig „ausgebucht" und die hochwertigen Fahrräder im TU Graz-Design, die es exklusiv und gefördert für TU-Bedienstete gibt, sieht man erfreulicherweise schon im ganzen Stadtgebiet.
Es braucht eindeutig noch mehr "Pedalritter"
Wie sehen Sie die Zukunft des Verkehrsmittels Fahrrad allgemein und was kann eine technische Hochschule dazu beitragen, das Radfahren als selbstverständliche und komfortable Art der Fortbewegung noch stärker in den Mobilitäts-Mix der Stadt zu integrieren?
Vor allem im innerstädtischen Bereich braucht es eindeutig noch mehr „Pedalritter". Es hat sich schon viel getan und mein subjektiver Eindruck sagt mir, dass es immer mehr Radfahrer in Graz gibt. Als Universität und großer Arbeitgeber nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr und unterstützen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv mit zahlreichen Maßnahmen, von Self-Service-Radstationen an jedem TU-Standort bis zum kostenlosen Fahrrad-Check, beim Wechsel vom Auto aufs Fahrrad.
Was wären prioritäre Wünsche und Forderungen an die Politik, speziell die Kommunalpolitik, oder ist das, was in Graz infrastrukturell und klimatisch geleistet wird genug?
Natürlich gibt es wie fast überall noch Potential zur Verbesserung, zum Beispiel beim Ausbau der Radwege oder bei den Fahrradabstellflächen. Ganz oben auf meiner Wunschliste ist ein Radweg, der alle Standorte der TU Graz und damit alle Grazer Universitäten miteinander verbindet - das wäre ein großer Zugewinn für die „sanfte" Mobilität. Aber grundsätzlich fühle ich mich als Radfahrer in Graz sehr wohl und kann diese umweltfreundliche und sportliche Form der Fortbewegung nur empfehlen.
(ARGUS)
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